Neuigkeiten vom Schach

April 2025
Mai 2025
25.05. 10:00 Uhr9. Runde BMM Landesliga
26.03.2025

Die Erste berichtet: Rundum sonniger Saisonabschluss

Den Abschluss der Saison in der neu formierten Oberliga Ost bildete für uns das Wochenende am 22.3. / 23.3. im beschaulichen Erfurt. Die Ausgangslage war klar: durch den doppelten Punktverlust im Punktspiel gegen Leipzig war der Aufstieg in weite Ferne gerückt, der Abstieg auf der anderen Seite aber auch kein Thema. Sollten wir an besagtem Wochenende gegen Erfurt und Plauen unsere Hausaufgaben machen und die Parallelduelle günstig für uns laufen, wären Platz 1 (direkter Aufstieg) oder Platz 2 (Aufstieg im Falle, dass die SF Berlin 1 den Stichkampf um den Aufstieg in die 1. Bundesliga nicht gewinnt) durchaus noch möglich.

Gut gelaunt waren 9 Rotationer (Stamm + ML Jörg) bereits am Freitag angereist (außer Thomi und Michal alle mit dem Zug), so dass sich neben einigen Vorbereitern auf die Samstags-Runde auch eine gemütliche DoKo-Runde samt fröhlicher 70er-Boxklänge und süffigem Potsdamer Gebräu bis halb drei formieren konnte. Hierfür waren zuvor kleinere Umbaumaßnahmen in den geräumigen Zimmern vonnöten, um aus einem Sekretär eine geeignete Unterlage für die neu besorgten, klebefreien Karten zu schaffen.

Mit dem obligatorischen schweren Kopf am Frühstückstisch war man am nächsten Morgen aber froh, dass die Runde erst um 14 Uhr begann. Die Zeit bis dahin konnte von Marcin und Wojciech mit einem Kicker und von Jörg, Lars und mir bei bestem Wetter für einen schönen Spaziergang durch die Erfurter Altstadt samt Aufstieg zum Dom und der Zitadelle genutzt werden (siehe Bilder).

Der samstägliche Gegner waren die akut abstiegsgefährdeten Erfurter, die für einen Verbleib in der Oberliga zwingend gegen uns (in Stammbesetzung) punkten mussten. Durch das tragische Fehlen ihres bis dahin sehr erfolgreichen 8. Bretts (GM Peter Enders) ohnehin geschwächt, musste man die Erfurter vor allem an den hinteren Brettern als klaren Außenseiter ansehen. Umso verwunderlicher, dass an den vorderen Brettern (2, 3 und 4) schnell Remis vereinbart wurde. Meine anfänglich sehr vorteilhafte Stellung mit Mehrqualle war deutlich schwerer zu verwerten als zunächst angenommen und mit fortschreitender Aktivierung des gegnerischen Läuferpaars lag ständig der Rückverlust der Qualität in der Luft, so dass ich mich ebenfalls auf ein Remis einließ.

Somit stand es nach 3 Stunden 2:2 und so richtig vielversprechend sah es noch nicht aus. Am besten stand noch Thomi, der sich nach etwas gedrückter Stellung in der Eröffnung befreien, einen Bauern gewinnen und strategisch in siegverheißende Position beförderte, die alsbald auch verwandelte. Auch Igor stand immer etwas besser, konnte in ein Damenendspiel mit Mehrbauern abwickeln und dies erfolgreich verwerten. Ben gelang nach gewissem Auf und Ab der Übergang in ein Turmendspiel mit Doppel f, g und h-Bauern gegen f, g und h – Bauern, was objektiv sicher Remis war aber giftig zu behandeln und schwer zu verteidigen. In seiner unnachahmlichen Art machte Ben sukzessive Fortschritte, umkurvte noch ein paar Pattideen und bog sehenswert auf die Siegerstraße ein. So stand es bereits 5:2 und das erste Bier wurde im Spiellokal bereits geöffnet. Einzig der immer furchtlose Wojciech stand mittlerweile sehr bedenklich, auch auf der Uhr. Statt mit viel Zeit auf der Uhr den Todesstoß zu versetzen, versank sein Gegner in gewaltiges Grübeln und überschritt dabei die Zeit. So stand am Ende ein 6:2, was für Erfurt den sicheren Abstieg und für uns diverse Chancen bedeutete, da im Parallelmatch Magdeburg gegen die Schachfreunde II gewann.

In bester Stimmung wurde der Abend in einer Hotel-nahen Pizzeria eingeleitet, bevor die Wiederholung der freitäglichen Abendbeschäftigung eingeläutet wurde. Die größte Veränderung zum Vorabend war in erster Linie die Wahl der Getränke: der feine Schwede wurde geöffnet und das Potsdamer Gebräu vom Löschzwerg abgesetzt. Genauso beseelt ging es dann wieder um eine ähnliche Zeit ins Bett.

Da der Sonntags-Wettkampf bekanntermaßen bereits um 10 Uhr startet, war am Frühstückstisch die Entspannung nicht ganz so groß – einzig bei mir, da ich aussetzte und so Jörg zum Einsatz kam. Unser Gegner aus Plauen stand ebenfalls unter Druck. Eine hohe Niederlage würde sie den gemeinsamen Weg mit Erfurt ins Unterhaus antreten lassen. Entsprechend hoch motiviert trat man an. Auch in diesem Wettkampf waren wir klarer Favorit, wenngleich das an den Brettern nicht so klar zu sehen war. Unsere Punktemaschine Thomas verunglückte das Blumenfeld-Gambit gehörig und auch Lars hatte früh eine Qualität (für Kompensation) weniger. Ben und Jörg und auch Marcin standen besser, bei Igor und Michal war es etwa ausgeglichen und bei Wojchiech standen seine schwarzen Bauern auf g4 und h3 bei seinerseits unentwickeltem Damenflügel.

Igor und Michal machten dann recht schnell remis, während Thomi mit 5 Bauern weniger aufgab. Währenddessen konnte Ben seinen Vorteil verdichten und gewinnen, Lars konnte nach einer weiteren Ungenauigkeit aber nur noch das Handtuch werfen. Somit lagen wir 2:3 hinten. Marcin gelang zunächst ein Bauerngewinn und dann eine Vereinfachung der Stellung, die er souverän zum Sieg führte. Mittlerweile konnte auch Jörg seine positionellen Vorteile mit Angriff auf beiden Flügeln verdichten und seinen Gegner mit taktischer Finesse den finalen Schlag versetzen. Somit blieb noch unser Kämpfer Wojciech, der seinem Gegner konditionell einiges abverlangte, indem er ein (ganz vorsichtig gesagt) remisliches Endspiel bis zum 4.(!) Partieformular knetete. Somit stand am Ende ein knappes aber verdientes 4.5:3.5, was uns durch die parallelen Siege von SF II und Magdeburg auf einem sehr respektablen 3. Platz über die Ziellinie laufen ließ.

Zusammenfassend können wir mit der Saison als Mannschaft sicher sehr zufrieden sein, Lichtblicke waren vor allem Wojciech, Thomi und Jörg – nur bei Lars und mir ging nicht viel zusammen. Wir freuen uns auf die nächste Saison!

Erfurt

Erfurt

Micha
19.03.2025

Abschlussbericht der Frauenmannschaft in der 2. Frauenbundesliga West

Die letzte Doppelrunde der laufenden Saison wurde beim SC Kreuzberg in der Böcklerstr. ausgetragen. Aufgrund der Niederlage im vorherigen Wettkampf gegen Kreuzberg bestand für uns keine reelle Chance mehr auf den Tabellensieg und zu den Abstiegsplätzen hatten wir genügend Luft. Wir gingen also relativ entspannt, aber in voller Aufstellung in den Wettkampf. Unser Gegner am Samstag war der Hamburger SK II, der nur mit 4 Spielerinnen antrat.

Die Hamburgerinnen spielten ohne Brett 1 und 2, so dass wir schon zu Beginn der Runde einen sicheren Vorsprung hatten. Annett an Brett 5 gewann zeitig eine Figur und schnell die Partie. Ebenso Sylvia an Brett 6, die mittels eines Figurenopfers Stellungsdruck aufbaute, der letztlich zum Sieg führte. Nachdem Antje (Brett 3) remisierte, hatte es Sibylle (Brett 4) schwerer. Durch ein inkorrektes Figurenopfer ihrer Gegnerin gewann sie später die Oberhand und die Partie. Durch unseren 5,5 Sieg konnten wir bereits nach 4 Wettkampfstunden entspannt den Abend einläuten und in heimatliche Gefilde nach Pankow fahren. In der Trattoria Toscana in Pankow-Heinersdorf (sehr zu empfehlen!) hatten wir Spaß und gutes Essen.

Und die andere Samstagspartie? Auch Spitzenreiter SK Doppelbauer Turm Kiel ließ ein Brett frei! Kreuzberg gewann 3,5:2,5, sie punkteten an den hinteren Brettern, während bei Kiel die vorderen Bretter sehr stark waren.

Am Sonntag traten wir zur letzten Runde gegen Kiel an, die das Brett 4 unbesetzt ließen und Annett einen spielfreien Sonntagvormittag bescherten. Brigitte und Conny an Brett 1 und 2 standen gegen die starken Spitzenbretter schnell etwas gedrückt und mussten für den Ausgleich kämpfen. Iris und Antje remisierten. Sylvia gewann souverän die Partie und schließt die Saison mit einem Ergebnis von 100 % ab!

Nachdem Brigitte dem gegnerischen Druck nicht standhalten konnte und ihre Partie verlor, kam es nun auf Conny (mit Schwarz) an. Das etwas schlechtere Turmendspiel war spannend und für die Kiebitze nervenaufreibend. Conny gab ihren Turm für den letzten Weißbauern, aber Dank ihres weit vorrückten Bauern blieb nur ein Dauerschach für Weiß übrig. Remis und damit ein 3,5 Sieg für uns! Damit konnten wir Kiel in der Tabelle noch überholen und mit dem 3. Platz abschließen.

Und die andere Sonntagspartie? Hamburg stockte ein Brett auf und spielte zu Fünft gegen Spitzenreiter Kreuzberg. Diese fuhren den 4:2 Sieg souverän nach Hause und sind erstmals Aufsteiger in die 1. Frauenbundesliga! Wir gratulieren herzlich und wünschen viel Erfolg in der nächsten Spielsaison.

Abschlusstabelle 2. Frauenbundesliga West

Absteigen müssen Hamburger SK II und SV Mühlheim-Nord.

Gudula
27.02.2025

Spielbericht der Frauenmannschaft vom 16. Februar 2025

Mitte Februar stand für uns der Einzelkampf gegen und bei unserem Reisepartner SC Kreuzberg auf dem Programm. Im gleichen Raum fanden auch mehrere Männerkämpfe der BMM statt. Dabei trafen wir am ersten Brett von Zugzwang II Lotte Kollberg wieder, einen unserer größten Fans über die Jahre.

In der Tabelle belegten wir gemeinschaftlich mit Kreuzberg den zweiten Rang mit einem Zähler Rückstand hinter Kiel, wir hatten bislang gegen die gleichen Gegner gewonnen bzw. verloren. Um es vorwegzunehmen: wir marschierten nicht weiter im Gleichschritt und verloren knapp mit 2,5-3,5.

Die beiden Schwarzpartien von Conny (gegen Martina Skogvall) und Gudu (gegen Brigitte Große-Honebrink) boten relativ schnell Anlass zur Sorge und gingen letztendlich auch verloren. Leider gelang es uns nicht, diese Niederlagen mit unseren Weißpartien zu kompensieren. Bei Brigitte (gegen Karelle Bolon) waren wir wahrscheinlich mit dem halben Zähler noch gut bedient (mir blinkte beim Nachspielen ein häßliches -7 entgegen), und ich war zu feige, gegen Amina Fock die Konstellation Dame gegen Turm plus Springer zu spielen, und so verflachte meine Stellung.

Ein paar positive Aspekte können wir dem Kampf trotzdem abringen. Worauf war Verlass?

- Auf Sylvie! Sie ist in dieser Saison unbesiegt und steht zusammen mit ihrem Einsatz in der Männermannschaft bei 4/4 Punkten. Ihrer jungen Gegnerin Margarita Mazurtsova zeigte sie trocken die Nachteile einer verfrühten Damenentwicklung auf.

- Auf die besondere Beziehung von Brigitte zu Endspielen mit ungleichfarbigen Läufern, sie rettete ihr einen halben Punkt.

- Große Einsatzbereitschaft zeigten Brigitte und Gudu, die sich trotz gesundheitlicher Probleme ans Brett setzten.

Was könnte Stoff für unsere Trainingsabende sein? Turmendspiele! Und sei es nur, um die Nerven der armen Kiebitze zu schonen, die von außen natürlich immer alles besser wissen. Üben durfte ein solches Annett gegen Sibylle Guder und sie konnte die eingangs unentschiedene tatsächlich in eine Gewinnstellung verwandeln. Leider fand sie dann nicht den richtigen Weg, sodass Kreuzberg mit dem Remis in dieser letzten laufenden Partie das 3,5-2,5 sicher stellen konnte.

Da wir nach oben keinen Ehrgeiz hegen und nach unten noch genug Luft ist, geht von dieser Niederlage, die uns auf den vierten Platz zurückwarf, die Welt nicht unter. Am 15./16. März finden die letzten Kämpfe gegen Spitzenreiter Kiel und Hamburg II statt.

Sibylle
29.01.2025

Spielbericht der Frauenmannschaft vom 25./26. Januar 2025

Am Freitag, den 24. Januar, brachen wir zu unserem ersten und letzten echten Auswärtsspiel nach Solingen auf. Die Eingruppierung in die Weststaffel bringt weite Fahrten mit sich, die Existenz eines Reisepartners aus Berlin (Kreuzberg) sorgt dafür, dass es die einzige Reise ist. Alle anderen Kämpfe finden in der Hauptstadt statt.

Sylvie vertrat Gudu, die noch rekonvaleszierte, als Mannschaftsleiterin.

Die Bahn gab sich größte Mühe, die Anreise für uns mit einer Reihe von Herausforderungen aufzuwerten, aber weder eine zweifache heimliche Vorverlegung der Abfahrtszeit, noch Notarzteinsatz, Streckensperrung und vorzeitiger Zugabbruch konnten uns aufhalten. In Solingen waren wir im Stadtteil Gräfrath mit seiner wunderschönen Altstadt untergebracht und konnten dort die separat angereisten Iris, Conny und Max begrüßen. Nach dem Abendessen stießen wir noch auf Connys Geburtstag an.

Am Samstag Morgen bildeten sich mehrere Grüppchen. Die einen gönnten sich ein ausgiebiges Frühstück, andere gingen spazieren, und für die beiden Jüngsten der Mannschaft stand Anhebung des Bildungsniveaus auf dem Programm. Dazu diente der Besuch des Klingenmuseums. In diesem sahen wir nicht nur unzählige Schwerter, Degen, Säbel, Messer und Scheren, sondern lernten auch einiges Interessantes über die Herstellung von Stahl und die Geschichte des Bergischen Landes, die ja einst auch von uns Preußen gestaltet wurde.

Am Nachmittag spielten wir gegen Solingen II. Deren I. Mannschaft trug ebenfalls in Solingen ihre Erstligakämpfe gegen Deizisau und Meister Schwäbisch Hall aus, jedoch leider an einem anderen Ort. Für uns war als Spiellokal das Solinger Schachzentrum vorgesehen.

Wir konnten recht sicher mit 4-2 gewinnen. Annett brachte uns schnell gegen 11-jährige Anna Heidtkamp in Führung. Conny remisierte gegen Yaroslava Sereda und Iris gegen unsere alte Bekannte Astrid Winter, die 1999 von Leipzig ins Ruhrgebiet gezogen ist. Ich konnte dann trotz eines einzügigen Aussetzers gegen Sarah Fetahovic gewinnen und auf 3-1 erhöhen.

Antje gegen Eva Rudolph und Brigitte gegen Anna Sosulja, die den Männer-IM-Titel trägt, spielten die interessantesten Partien: mit dem besseren Ende für Antje, die in gedrückter Stellung besonnen blieb, und einer Niederlage nach langem Kampf im Turmendspiel für Brigitte.

Beim abendlichen Mannschaftsessen wurde neben vielen anderen Themen der Bildungsgedanke weiter verfolgt: Sylvie hielt uns einen Vortrag über ihre drei Hanfpflanzen und die damit verbundenen Möglichkeiten.

Am Sonntag trafen wir auf Hofheim, die ähnlich wie wir zwischen der 1. und 2. Liga pendeln. In der Corona-Saison 2019/21 spielten sie zum letzten Mal in der höchsten Spielklasse. Die Paarungen waren elomäßig in etwa ausgeglichen, aber bei unseren Schwarzbrettern (Caroline Rieseler-Brigitte, Maja Buchholz-Antje, Franziska Prüfert-Iris) lief leider nichts zusammen und bei den Weißen zu wenig. Die Ausnahme war Sylvie, die auf ihr geliebtes Mittelgambit verzichtete und souverän Ulrike Storkebaum im Italiener bezwang. Conny remisierte sauber gegen Gulsana Barpijewa und ich mit mehr Aufregungen gegen Nicol Zahn. Hier kritisierten die Kolleginnen, dass ich im Mannschaftssinne zu zeitig ins Unentschieden eingewilligt sei.

Die Rückfahrt, die auf dem architektonisch interessant gestalteten Hauptbahnhof in Wuppertal begann, verlief bedeutend störungsfreier als die Hinfahrt.

Brigittes neu gewonnener Ruhm war auch bis ins Bergische Land vorgedrungen. Als wir das Schachhaus betraten, hörten wir es raunen: „Da kommt die Weltmeisterin!“ Später konnte sie sich über mehrere sehr nette Gratulationen aus den gegnerischen Mannschaften freuen.

Ich möchte mich bei Sylvie für die umsichtige Mannschaftsleitung und bei Max für den Fahrdienst bedanken und Gudu weiterhin große Fortschritte bei der Gesundwerdung wünschen.

Sibylle
18.01.2025

Die Erste berichtet: Licht und Schatten

Nach dem durchaus gelungenen Saisonauftakt mit 4 Punkten aus dem ersten Wochenende Ende September in Löberitz (gegen die Gastgeber und AE Magdeburg) und im November im Heimspiel gegen die SF Berlin II (was leider knapp mit 3.5 : 4.5 verloren ging) und König Tegel (ein 4.5 : 3.5 Erfolg), sollten am 3. Punktspielwochenende am 11.01. / 12.01. weitere Punkte gesammelt werden.

Durch den Rückzug von Rüdersdorf und somit nur zwei weitere Absteiger konnte man nach diesen 6 Punkten auf der Habenseite durchaus nach oben schielen, wo allerdings insbesondere nach dem Ergebnis der dritten Runde die 2. Mannschaft der Schachfreunde Berlin als klarer Favorit für den Aufstieg zu sehen ist.

Ursprünglich in Rüdersdorf als Ausgangsort geplant, musste diese Doppelrunde verlegt werden, so dass wir an besagtem Wochenende im Derag Living Hotel in Weißensee die Mannschaften von der SG Dresden (Samstag) sowie der SG Leipzig am Sonntag begrüßen durften. Ein kleiner Nachteil, der sich für uns durch die Saison zieht, ist, dass unser Sonntagsgegner unsere Aufstellung im Voraus kennt, während wir mehr oder weniger erst 15 Minuten vor Partiestart Bescheid wissen.

Doch nun zum Schachlichen. Am Samstag wurde pünktlich die Runde gegen die SG Dresden angepfiffen. Rein nominell musste man uns schon als Favoriten bezeichnen, besonders an den hinteren Brettern hatten wir Elo-Vorteile von 100-350 Punkten. Es entwickelte sich zunächst ein sehr ausgeglichener Kampf, nach 2 Stunden waren noch keine klaren Tendenzen erkennbar. Außer vielleicht bei Jörg (Brett 8, Weiß), der im Franzosen eine frühe Ungenauigkeit des Gegners bestrafte, der dadurch in einen schweren Königsangriff hineinlief. Meine (Brett 6, Weiß) Partie geriet frühzeitig in strategische Fahrwasser, in der ich etwas besser stand, dafür aber zu viel Zeit verbrauchte. Vor diesem Hintergrund wich ich einer Zugwiederholung meines Gegners auch nicht aus. Kurz darauf konnte Jörg auch den vollen Punkt verbuchen. Auf der anderen Seite übersah Lars (Brett 3, Schwarz) ohne Not einen taktischen Trick, der ihn in ein Endspiel mit Turm und Läufer gegen die Dame zwang. Ihm fehlte in dieser Situation leider 1 Tempo, um die Entwicklung abzuschließen und die Stellung haltbar zu machen, so dass hier am Ende der Gegner seinen Vorteil verwerten konnte. Ben (Brett 5, Schwarz) stand die ganze Partie über etwas gedrückt, konnte aber Vereinfachungen erzielen. In ausgeglichener Stellung übersah sein Gegner eine Springergabel, die Ben 2 Bauern gewinnen ließ, so dass sein Gegner auf der Stelle aufgab. Ähnlich sah es bei Michal (Brett 4, Weiß) aus, der in einem optisch leicht schlechteren Endspiel T+S gegen T+L seine Zähigkeit ausspielte und nach Abtausch der Leichtfiguren sogar die Initiative übernahm, was in einem gewonnenen Turmendspiel und den nächsten vollen Punkt mündete. Marcin (Brett 2, Weiß) konnte seinen Gegner frühzeitig unter Druck setzen und in ein Endspiel mit 2 Leichtfiguren gegen Turm und Bauer überleiten. Hauptproblem war zunächst noch sein Springer auf a1. In diesem Zusammenhang unterlief ihm ein Fehler, in dem er mit Tempo einen Bauern mit Schach nahm und den gegnerischen König auf die Grundreihe trieb. Alles, was man ohne Nachzudenken machen würde, war hier jedoch problematisch, weil dadurch die Mobilmachung seiner Leichtfiguren erschwert wurde und sich der Gegner ins Remis retten konnte. Thomi (Brett 7, Schwarz) opferte im Mittelspiel eine Qualität für starkes Gegenspiel gegen schwarze Felder und gegnerische Bauernschwächen. Der Gegner fand zunächst noch die beste Verteilung übersah aber eine dreizügige Mattkombination beginnend mit einem Dauerschach. Igor (Brett 1, Weiß) stand gegen seinen jungen Gegner zunächst ganz aussichtsreich, musste aber ein Endspiel mit Minusbauern verteidigen. Das gelang ihm durch Aktivierung seines Freibauern und dem rechtzeitigen Opfern seines Läufers für die letzten verbliebenen Bauern des Gegners. Dieser stellte dann im Endspiel T+S gegen T auch recht schnell seine Gewinnbemühungen ein, so dass am Ende ein doch recht deutliches 5.5 : 2.5 zu Buche stand.

Der Sieg wurde gebührend beim nahe gelegenen Italiener La Famiglia gefeiert, wo auch die eine oder andere ausgelassene Chance am Handy gefunden wurde. Kurioserweise saßen am Nebentisch die Gegner für den sonntäglichen Wettkampf, die sich schon intensiv in der Vorbereitung befanden („Was spielt eigentlich Thomas Guth?“).

Diese Frage sollte sich am kommenden Vormittag beantworten lassen. Beginn war 10 Uhr, wir in gleicher Aufstellung wie am Vortag, nur mit entsprechend anderer Farbe. Nominell waren die Vorzeichen vergleichbar mit dem Vortag, nur lagen unsere Elo-Vorteile eher an den mittleren Brettern und waren nicht ganz so gravierend wie am Samstag. Eine der Partien an diesen Brettern war tatsächlich auch recht schnell beendet, nur leider nicht so, wie es für uns wünschenswert gewesen wäre. Im Irrglauben, die Runde beginne erst um 11 Uhr wie früher, erschien Ben leider erst nach der Karenzzeit von 10:30 Uhr, was uns frühzeitig in Rückstand brachte. Jörgs Gegner ging auch nicht mit der größten Ambition in die Partie, so dass man sich hier recht früh friedlich auf die Punkteteilung einigte. Recht düster sah es frühzeitig bei Marcin aus, der einen gegnerischen Freibauern auf d5 zuließ und im Doppelturmendspiel eigentlich nur auf ein Wunder hoffen konnte, was leider ausblieb. Einzig Lars stand um die Zeitkontrolle vorteilhaft, in seinem Doppelturmendspiel mit Mehrbauern beging er aber im 41. Zug einen folgeschweren Tempoverlust, der es dem Gegner ermöglichte, später ins Remis abzuwickeln. Nie schwer gestört war das Gleichgewicht in der Partie von Michal, der bei bereits recht dezimiertem Material ins Remis einwilligte. Das Brett in Flammen stand wie so häufig bei Thomi. Sein Königsgambit beließ den Gegner zunächst bei einem mehr oder weniger gesunden Mehrbauern, aber nach wie vor war die Stellung tricky. Schließlich griff der Gegner fehl und in seiner unnachahmlichen Art ließ sich Thomi die Butter nicht mehr vom Brot nehmen und fuhr einen vollen Punkt ein. So keimte temporär noch einmal Hoffnung auf. Allerdings hatte ich wirklich keinen guten Tag, ließ mich stückweise überspielen und konnte auch die Gelegenheit für Schummelchancen nicht mehr sinnvoll nutzen. Schließlich überzog auch Igor, möglicherweise vom Zwischenstand getrieben, seine Stellung und landete in einem schlechten Endspiel, bei dem seine Dame im Abseits stand und der Gegner seinen a-Freibauern immer weiter Richtung Grundreihe schieben konnte. Auch hier blieb schließlich nur das Handtuch. Insgesamt eine auch in der Deutlichkeit durchaus verdiente 2.5 : 5.5 Niederlage, die den Traum vom Aufstieg endgültig verblassen ließen.

Wir sind zwar noch Tabellenführer, setzen aber aus genannten Rüdersdorf-Gründen in der nächsten Doppelrunde im Februar aus, so dass einige Mannschaften an uns vorbeiziehen dürften. Aber Trübsal ist trotzdem nicht zu blasen, die gute Nachricht ist, dass wir wohl weit genug vom Abstieg sind. Die letzte Doppelrunde im März in Erfurt gegen den Gastgeber und Plauen werden hoffentlich schachlich und überschachlich ein gelungener Saisonabschluss sein.

Micha
aktualisiert am 02.04.2025